Erkenntnisgewinn in der Gemeindevertretung?

In der Gemeindevertretersitzung am 24.02.2020 wurde beschlossen, den Ausbau des Verkehrsknotenpunktes K23 / L233 / K91 („Wesselkreuzung“) nicht mehr zu verfolgen.

Es sei daran erinnert, dass ein entsprechender Antrag der SPD Fraktion in 2017 von der Gemeindevertretung abgelehnt wurde. Bemerkenswert ist, dass die Begründung der Gemeindevertretung heute jener der SPD in 2017 gleicht. Hinzugekommen war die mangelnde Verkehrssicherheit für Fußgänger und Fahrradfahrer, wohl primär durch Hinweise der FDP eingeführt.

Eine sehr späte Erkenntnis der Kisdorfer Entscheider, wenn man bedenkt, dass die besorgniserregende verkehrliche Entwicklung in Kisdorf seit mehr als einem Jahrzehnt absehbar war. Die Zeichen standen übergroß an der Wand.

Die Ergebnisse der Verkehrszählungen und Lärmmessungen in 2014 durch die Firma LairmConsult hätten Warnung genug sein können. Zunächst hielt man diese Ergebnisse unter Verschluss und zog alle Register, um bei Kreis und Land den Bau eines Kreisverkehrsplatzes durchzusetzen. Dies wurde stark befürwortet durch Henstedt Ulzburger Politiker und durch Landtagsabgeordnete der CDU. Dass die Motive dieser Allianz dabei unterschiedlich und eher nicht im Interesse der Kisdorfer waren, ignorierten unsere Gemeindevertreter in ihrer Mehrheit.

Die Ansiedelung der Logistikzentren in HU. Der städtebauliche Vertrag zwischen Henstedt-Ulzburg und REWE, wonach deren LKW-Flotte das eigene Gemeindegebiet zu meiden hat und teilweise über Kisdorf geleitet wird. Die unverhohlene Drohung aus der Nachbargemeinde, Enteignungen Kisdorfer Bürger einzuleiten, wenn sie nicht freiwillig Teile ihres Grundstücks für eine neue Abbiegespur an der Gutenbergkreuzung abgäben.

Hat dies zu einer Art Erweckungserlebnis in Kisdorf geführt?

Diese Hoffnung ist wohl wenig begründet. Die Gemeindevertretung hat den Baulastträgern empfohlen, die Kreuzung um Abbiegespuren zu erweitern. Im Effekt ist das eine Ertüchtigung der Kreuzung und damit kaum geeignet, den zunehmenden Verkehr durch Kisdorf auf ein erträgliches Maß zu reduzieren.

Ein Lärmaktionsplan für die Gemeinde Kisdorf steht seit 2008 aus. Fällige Abgabetermine des Umweltministeriums wurden regelmäßig „versäumt“. In einem Vortrag der Bürgerinitiative „Lärm macht krank!“ kritisierte man dies als Untätigkeit. Der Bürgermeister wies die Kritik zurück und lobte der Fleiß des zuständigen Ausschusses. Dort wiederum spricht man jetzt von einer „Fortschreibung“ des Kisdorfer LAP. Bezeichnenderweise wurde ein solcher für unser Dorf bisher gar nicht entwickelt.


W. Kreibich 25.02.2020