Kisdorfer Sozialdemokraten informieren



Kommentar
siehe auch   Verkehr


Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern.“  Konrad Adenauer

Anlässlich der Kommunalwahl 1994 informierte die Kisdorfer CDU über ihre Vorstellungen zum Bauen und Wohnen in Kisdorf. „Wie sollte sich unsere schöne Wohngemeinde Kisdorf in den nächsten 20 Jahren weiterentwickeln?“

An erster Stelle stehe die Bewahrung der Wohn- und Lebensqualität der hier lebenden Kisdorfer Bürger in allen Ortsteilen der Gemeinde.

Der ländliche Charakter des Dorfes solle erhalten bleiben ... „der uns in Stadtnähe ein gesundes Leben auf dem Lande, umgeben von Wald und Feld, ermöglicht.“

Man wolle wohnungsnahe Arbeitsplätze schaffen ... „ohne Beeinträchtigung unserer Wohngebiete.“

Man wolle den Durchgangsverkehr vermindern. „Die mit dem Durchgangsverkehr ... verbundenen Belastungen Kisdorfs müssen durch Umleitung des Verkehrs außerhalb und Beruhigung des Verkehrs innerhalb der geschlossenen Ortschaft vermindert werden.“

Faktencheck nach nunmehr 20 Jahren:

  
Abgesehen von der betulichen Art der Aufzählung, zeigt dieses Schreiben im Nachgang, wie ernst es der CDU mit ihren Bekenntnissen ist. Kurz nach der Wahl eine 180° Kehrtwende. So drängte unser Bürgermeister den Kreistag im Januar diesen Jahres schriftlich, sich an der Finanzierung eines Kreisverkehrsplatzes an Stelle der „Wesselkreuzung“ zu beteiligen. Das erschien ihm so eilbedürftig, dass er darüber wohl vergaß, die zuständigen Ausschüsse und die Fraktionen der Kisdorfer Parteien zu informieren.

 Unser Gemeindevertreter Dieter Maßmann erhielt eine Kopie dieser Korrespondenz - allerdings erst auf Anfrage beim damals amtsführenden Bürgermeister Hamer (WKB). Hierin wird der Bau eines Kreisverkehrs als erforderlich dargestellt, u.a. weil die Hamburger Straße in Henstedt-Ulzburg die Grenze ihrer Belastung erreicht habe. Kein Wort darüber, dass die Ulzburger Verkehrsprobleme weitgehend hausgemacht sind, umso mehr aber eine Lösung zu Lasten Kisdorfs anbietend.

  Nicht eine einzige Begründung findet sich in dem Schreiben, die von Kisdorfer Belangen spricht. Ein Schreiben, das ausschließlich die Interessen der Nachbargemeinen in der Achse Norderstedt – Kaltenkirchen ins Feld führt. Die Lesart des Schreibens lässt vermuten, dass der Antrag außerhalb von Kisdorf formuliert und befeuert wurde. Der ehemalige Bürgermeister der Gemeinde Henstedt Ulzburg, Volker Dornquast (MdL, CDU) und Katja Rathje-Hoffmann (MdL, CDU) jedenfalls, wandten sich in der Sache kurz zuvor an den Wirtschaftsminister. Alles Zufall?

  In ersten Einlassungen machen Kisdorfer Befürworter geltend, der Bürgermeister setze mit seinem Schreiben nur einen Beschluss der Gemeindevertretung um. Diese Behauptung ist so fragwürdig wie der ganze Vorgang. Der Beschluss war mittlerweile 7 Jahre alt und die Zusammensetzung der Gemeindevertretung hatte sich verändert. Die Begründungen waren schon damals dürftig und vor allem anderen Inhalts. Bürgermeister Wisch hat nun Argumente eingeführt, über die nie beraten wurde, die niemals Grundlage der Entscheidung waren. Ein neuer Beschluss auf Basis der neuen Begründungen war damit erforderlich.

  Eine Mehrheit in der „Wählergemeinschaft Kisdorfer Bürger“ schien die Handlungsweise des Bürgermeisters zu billigen, jedoch ohne ihre Position nachvollziehbar und offen darzulegen. Setzt man sich dort schon von der Verantwortung ab? Man könne per Gemeinderatsbeschluss doch nur eine Empfehlung aussprechen. Hier wird der Bürger hinter die Fichte geführt. Land und Kreis würden keinen Kreisverkehrsplatz einrichten, wenn Kisdorf nicht zugestimmt hätte.

  Die Hoffnung, ein Kreisverkehr reduziere die Nutzung einiger Straßen als Schleichwege über die Wohngebiete und bündle den Verkehr in den Durchgangsstraßen, ist unrealistisch. Für die Anwohnern an diesen Strecken hat man nur ein Schulterzucken übrig.

  Die von der CDU reklamierte Beruhigung des Verkehrs innerhalb der geschlossenen Ortschaft sind im Übrigen maßgeblich von Dieter Maßmann (SPD) initiiert worden – nämlich die Ausweisung von Tempo-30 Zonen in allen Wohngebieten.

W.K. 07.2016